Die nächsten Vorträge im H5:

Samstag, 7. Oktober 2017 ab 16:00: Richtige Toleranz?

Samstag, 21. Oktober 2017 ab 16:00: Kropotkin und die Theorie des „anarchistischen Kommunismus“

Samstag, 28. Oktober 2017 ab 16:00: Christlicher Anarchismus

Sonntag, 19. November 2017 ab 16:00: Schön wärs! Konkrete Utopien – Konstruktionen gesellschaftlicher Möglichkeiten

Vorträge von und mit der AG Krefeld. Zum Buchen und Anhören!
Die Audiodateien könnt Ihr auch als MP3 oder OGG Vorbis runterladen, wenn Ihr auf den Link zum Mitschnitt klickt.

Die gefährlichste Frau Amerikas“: Emma Goldman

Am 14. Mai 1940 starb Emma Goldman und hinterließ ihren einmaligen Reichtum an gelebter Erfahrung und Theorie. Nicht bloß als Zuschauerin, sondern als scharfe Beobachterin und kämpferische Anarchistin bewegte Goldman sich in einer Zeit, als Europa, Asien und Amerika von Wellen der Revolution und Reaktion erschüttert wurden. Ihr Leben zwischen diesen Zentren war immer wieder eines auf der Flucht: vor antisemitischen Pogromen, vor politischer Verfolgung und staatlichem Terror. Die Erfahrungen in den Kämpfen der US-Amerikanischen TextilarbeiterInnen brachten Goldman zu ihren Vorstellungen vom freiheitlichen Sozialismus, und entsprechend wurde sie zur bekannten Aktivistin und Agitatorin der ArbeiterInnenbewegung. Dies brachte ihr sowohl eine große Anhängerschaft als auch Repression ein, was zu mehreren Gefängnisaufenthalten führte. Später verlagerte Goldman ihren Schwerpunkt auf andere Kampffelder. Ihre Positionen zu Militarismus, Nationalismus, Religion, Feminismus und Familie sind bis heute herausfordernd und eigenständig. Befreiende Momente suchte sie nicht in Parteien und auch nicht in der Masse, sondern im kreativen Potential, das erst noch von den gemeinschaftlich handelnden Individuen zu erschaffen ist.

Ihre provozierenden Thesen werden vorgestellt, im Zusammenhang mit Goldmans Biographie. Denn ihr Leben folgte dem von ihr selbst formulierten Grundsatz, „dass die Wahrheit, wenn sie einmal erkannt wurde, auch gelebt werden muss und ihr Wesen nicht nur theoretisiert werden darf“.

Sozialökologie und libertärer Kommunalismus

Mitschnitt von 2014

Was hat eine auf Herrschaft und Ausbeutung gegründete Gesellschaft mit ökologischen Krisen zu tun, und wie kann sie auf diese reagieren? Wenn Klimawandel, Verschmutzung und Umweltzerstörung nicht mehr zu ignorieren sind, bekommt mensch immer wieder die gleichen Formeln zu hören.
Entweder sollen die Geschäfte weiterlaufen wie bisher, mit umweltverträglicher Ausrichtung. Oder die Menschheit selber und ihre Zivilisation werden als das Übel ausgemacht, das es zu bekämpfen gilt.
Anarchistische Sozialökologie hingegen will weder an die Alternativlosigkeit der bestehenden sozialen noch der ökologischen Verhältnisse glauben. Wie aber sieht das Verhältnis zwischen menschlicher und nichtmenschlicher Umwelt aus? Und vor allem: wie kann es herrschaftsfrei neu gestaltet werden, um ein glückliches Leben zu ermöglichen?
Mit der Erkenntnis im Hintergrund, dass ökologische Probleme in Kern soziale sind, vertraten Murray Bookchin und Janet Biehl das Konzept des libertären Kommunalismus als Gegenentwurf zur herrschenden Gesellschaft. Wie soll das funktionieren? Wofür können wir dieses Konzept heute benutzen?

Sozialer Ökofeminismus ohne Spiritualismus

Mitschnitt von 2013

Wer sich umfassende Befreiung zum Ziel gesetzt hat, wird feststellen, dass verschiedene Herrschaftsformen zusammen bestehen. Theorie muss dann leisten, den Zusammenhang zwischen ihnen zu begreifen. Genau dies versuchen die Ansätze des Ökofeminismus. Sie machten zwei grundlegende Herrschaftsformen aus: die Herrschaft von Männern über Frauen und über die Natur. Männliche Dominanz und Technikbegeisterung haben Leerstellen in der herrschaftskritischen Linken gelassen. So muss Feminismus in der Linken bis heute gegen einen männlichen Mainstream durchgesetzt werden, welcher den Antifeminismus einer Gesellschaft, die zu überwinden er sich zum Ziel gesetzt hat, weiter in sich trägt. Die Integration von Ökologie und Feminismus war nötig, um die Leerstellen zu schliessen. Aber relevante Teile des Ökofeminismus haben den linken Rahmen verlassen und sind unter Bezugnahme auf vormoderne und esoterische Konzepte ins Reaktionäre gekippt. Vom Standpunkt des sozialen Ökofeminismus Janet Biehls aus soll die Frage gestellt werden, wie dieser Bruch mit der Linken geschehen konnte.

Antimiltarismus und Herrschaftsfreiheit – über die NATO

Mitschnitt von 2016

Staaten schlagen und vertragen sich, und der Zusammenschluss mehrerer zu einem Militärbündnis spiegelt beides wieder. Die NATO, das nordatlantische Verteidigungsbündnis, entstand unter einer anderen Gemengelage als der heutigen. Zunächst als gemeinsame Verteidigung gegen ein sich postnazistisch möglicherweise wieder gegen seine Nachbarn erhebendes Deutschland gegründet, war die NATO bald schon nicht mehr wiederzuerkennen. Ihre neue Rolle als Bündnis gegen den Ostblock brachte eine schnelle Mitgliedschaft Deutschlands mit sich, das nun in den gemeinsamen westlichen Machtblock militärisch integriert wurde.
Doch welchen Sinn hat die NATO heute, nach dem Nierdergang der UdSSR? Kann überhaupt von einem westlichen Block mit einheitlichen Interessen gesprochen werden, der mit Hilfe der NATO militärisch abgesichert ist? Immer wiederkehrende Konflikte zwischen gerade deutscher und USamerikanischer Geopolitik treten auch im Bündnis zutage. Und was taugt dieses Bündnis im Kampf gegen den Jihadismus, der sich nicht an Staatsgrenzen orientiert?
Die PR der NATO-Staaten bleibt militaristisch. Antworten auf unsere Fragen können wir von ihr nicht erwarten. Und auch wenn sich die Form und Bewerbung des Militarismus wandelt, bleibt er dem Staat eingeschrieben. Wir wollen aufzeigen, dass Militarismus und Großmachtstreben den Staaten auch heute nicht abzutrennen sind. Als Anarchist*innen sind wir überzeugt, dass Antimilitarismus am Ende wirkungslos bleibt, wenn bloß an Regierungen appeliert wird.

Was ist Rätekommunismus?

Mitschnitt von 2016

Lenin hatte wenig freundliche Worte für seine WidersdacherInnen. So mancher wurde als „Anarchist“ beschimpft, obwohl er sich gerade eine konsequente Umsetzung Marxscher Ideen zur Aufgabe gemacht hatte. In Deutschland und den Niederlanden formierte sich um die kämpfende ArbeiterInnenschaft und Figuren wie Anton Pannekoek und Herman Gorter die Theorie und Bewegung des Rätekommunismus. In Italien prägten die OperaistInnen die Selbstbezeichnung als „Autonome“. Sie alle einte der Anspruch, den Kommunismus als staatsfeindliche, undogmatische Bestimmung gegen den Leninismus zu setzen.

Faschismus als postmoderne Revolte

Mitschnitt von 2017

Wie schon seit Jahren jedes Mal, wenn faschistische Jugendbewegung vom Klischeebild der 90er abweicht, ihre Wandelbarkeit als unerwartete Neuerung für offene Münder sorgt, so sprachlos bleibt auch in Teilen die linke Analyse angesichts des revolutionären Gestus der Faschisten. Dass vom Faschismus zu schweigen habe, wer vom Kapitalismus nicht reden will, ist eine richtige Feststellung. Wie aber von beidem und ihrem Verhältnis gedacht wird, macht den Unterschied zwischen Faschismustheorie, die Erkenntnisse liefert und solcher, die verschleiert.