Faschismus als postmoderne Revolte

Dass vom Faschismus zu schweigen habe, wer vom Kapitalismus nicht reden will, ist eine richtige Feststellung. Wie aber von beidem und ihrem Verhältnis gedacht wird, macht den Unterschied zwischen Faschismustheorie, die Erkenntnisse liefert und solcher, die verschleiert. So wird noch immer, bewusst oder inhaltlich, die Dimitroff-These vertreten, der Faschismus sei die “offen terroristische Diktatur der am meisten reaktionäre, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals”. Was für die Realpolitik der UdSSR sinnvoll gewesen sein mag, verbaut aber den Blick auf verstörende Elemente des Faschismus. Ihn als einfach eine weitere Diktatur zu betrachten, die in die autöritären Systeme der Zeit bruchlos einzuordnen sei, ist gerade in der nichtmarxistischen Analyse beliebt. Aber der Faschismus ist noch vieles nicht, wofür er gehalten wird: keine extreme Form des Konservatismus, nicht einfach nur reaktionär: faschistische Bewegungen haben im Gegensatz zur Konservativen Revolution den Kampf als Selbstzweck erhoben, die Zerstörung, die Vereinzelung und die kollektive Verschmelzung zu etwas neuem verwoben, das nicht bloß hinter die kapitalistische Moderne zurück will, sondern mit dem Anspruch auftritt, eine barbarische Alternative zu ihr zu bieten. Die Gefahr, die vom Faschismus noch immer ausgeht, liegt auch in seinem Potential, sich als Revolte zu präsentieren.


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