Archiv für Oktober 2014

IFA über den IS

Die Internationale der Anarchistischen Föderationen hat eine Stellungnahme zum IS veröffentlicht, die wir hier als Diskussionsbeitrag einstellen.

IFA-Stellungnahme: Gegen den Terror von Staat und Religion – Freiheit für die Menschen in Kobanê!

In Rojava (auch West-Kurdistan) auf syrischem Staatsgebiet attackiert der Islamische Staat (IS) die Stadt Kobanê nahe der Grenze zur Türkei und die Bevölkerung ist nun direkt mit der Brutalität dieser autoritären und aufklärungsfeindlichen Macht konfrontiert.

Kurdistan ist ebenso wie andere Regionen von der Gewalt des Islamischen Staates betroffen. Der Widerstand der Bevölkerung ist bewundernswert. Sie ist die wirklich fortschrittliche Kraft. Von den militärischen Spielen der Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und regionaler Mächte ist freilich nichts zu erwarten. Diese verschiedenen beteiligten Staaten nutzen die Region als Schlachtfeld zur Durchsetzung ihrer Interessen und verkaufen ihre Waffen.

Die Rolle der religiösen Regierung der Türkei in der Region ist dabei ausschlaggebend. Sie verhindern mit Gewalt die Einreise flüchtiger Familien, lassen aber islamistische Kämpfer nach Syrien. Es ist offensichtlich, dass die türkische Regierung tatsächlich im Krieg mit der kurdischen Bevölkerung ist.

In den kurdischen Regionen wird, trotz des Kriegs, eine so proklamierte “demokratische Revolution” sichtbar, die dem Konzept des “Demokratischen Konföderalismus” angetan ist. All dies bestärkt uns, unsere Arbeit und unsere Unterstützung für die Menschen in Kurdistan und anderswo, die gegen religiöse Barbarei und staatliche Unterdrückung kämpfen, fortzusetzen. Von diesem Standpunkt aus sind wir gegen militärische Interventionen durch Welt- oder Regionalmächte. Wir wissen, dass jede staatliche Intervention sich gegen soziale Veränderungen richten wird.

Frauen sind stark in alle gesellschaftlichen Bereiche und in die Widerstandsgruppen involviert. Es ist eine Revolution der Frauen gegen das Patriarchat und die feudale Gesellschaft. Das ist wohl einer der wichtigsten Aspekte dieses Prozesses.

Anarchist*innen aus der Türkei helfen den Flüchtlingen und unterstützen diejenigen, die gegen den Vormarsch des islamischen Staats kämpfen. Wir rufen alle anarchistischen Organisationen dazu auf, Demonstrationen zu organisieren und ihre Unterstützung draussen auf der Straße und überall kund zu tun, Informationen zu verbreiten und eine direkte Unterstützung der anarchistischen Organisationen in der Türkei, Kurdistan und überall, wo gegen religiöse Barbarei und staatliche Unterdrückung gekämpft wird, aufzubauen.

Für die Emanzipation der Menschen und die internationale Solidarität

CRIFA (Delegiertentreffen der Internationalen der Anarchistischen Föderationen)
Rom, 4-5 Oktober 2014

Stimmen zu Primark

Nicht nur die Demonstrant*innen hatten heute etwas zum neu eröffneten Discounter zu sagen. Die als Spektakel inszenierte Eröffnung hat verschiedene Statements gebracht.

Wer eine solche Presse hat, braucht keine Werbeabteilung: die Rheinische Post berichtet wie aus dem Prospekt.

Ein schöner Nebenerfolg für die Demonstration: die Transparente „gefielen“ dem OB Kathstede „überhaupt nicht“.

Im Vorfeld wurde gegen die Proteste geschrieben, unter anderem in Berufung auf die Nichtteilnahme des DGB.

Das Statement des DGB-Vorsitzenden sieht dann aber weniger affirmativ aus, als es die RP darstellt.

Und dann gibt es da noch ganz andere Ereignisse, die Aufmerksamkeit verdient hätten, aber weniger Schlagzeilen gemacht haben. So etwa die Besetzung und Übernahme einer Textilfabrik in Istanbul im Zuge der Proteste 2013: Artikel und Video.

Arbeiten – Kaufen – Wegwerfen: Primark jetzt auch in Krefeld

Wer zu Primark geht, weiß in der Regel, was dort angeboten wird. Wozu also noch die Proteste?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen gibt es im Detail noch immer Wissenslücken, und Bekanntes gerät aus den Nachrichten schnell in Vergessenheit. Zum Beispiel die eingestürzte Fabrik in Bangladesch – dort wurden Textilarbeiter*innen durch schlechte Arbeitsbedingungen und Armut in eine lebensgefährliche Situation gebracht, in der sie schließlich umkamen. Hier wurde Kleidung produziert, die etwa in Europa billig verkauft werden sollte. Von welcher Firma? Von vielen, und zwar nicht nur von Discountern wie Primark oder kik. Die Geschichte ist nun eineinhalb Jahre her, und während sich die kurze Entrüstung hierzulande schnell beruhigt hatte, sind heute viele der über 1000 Todesopfer noch immer nicht identifiziert. In Bangladesch ist die Katastrophe noch längst nicht vorbei, aber vielleicht in Deutschland bald ganz vergessen.

Ferne Länder, Katastrophen – all das ist bekannt, bleibt aber nur kurz im Bewusstsein. Ein anderes Problem ist aber noch leichter übersehen: dass die katastrophalen Zustände nicht ferne, einzelne Ereignisse sind, sondern weltweit verschränkte Normalität. Das fängt damit an, dass die Entscheidung, billige (und auch teure) Kleidung mit billiger Arbeit herstellen zu lassen, täglich von Textilhändler*innen getroffen und von ihren Kund*innen bestätigt wird. Aber sind das wirklich Entscheidungen? Wer möchte schon tatsächlich, dass Menschen unter miesen Bedingungen ausgebeutet werden? Und wer will denn wirklich Kleidung haben, die mit Glück die Zeit überlebt, in der sie modisch ist? Ganz abgesehen von all denen, deren im angeblich reichen Europa dünnes Portemonnaie kaum mehr hergibt, als sich in Discounterklamotten zu quetschen. Kann bei all denen von einer Entscheidung gesprochen werden, zumal von einer freien?

Je besser der oder die Gefragte ausgebildet ist, desto eher wird auf diese Frage hin der Sachzwang aus dem Hut gezaubert: es sei nunmal so, die Kunden wünschten diese Produkte, sie seien nunmal arm oder kauften gerne viel, man müsse doch wettbewerbsfähig produzieren und außerdem schaffe man Jobs, was ja noch immer besser als keine Jobs sei. Das ist alles nicht gelogen. Und auch wenn deutsche Gewerkschafter*innen behaupten, es sei falsch, gegen eine Ausbreitung von Primark, Atomkraft oder Rüstungsindustrie zu protestieren, weil diese ja allesamt Arbeitsplätze schüfen, die benötigt würden, lügen sie nicht. Denn genau so sieht es tatsächlich aus: worauf es ankommt, ist, dass aus Geld mehr Geld wird, also Profit entsteht. Und das geht eben letztendlich nur durch Arbeit, das Zusammenspiel von Arbeit und Profit treibt alles an. Ob dabei irgendetwas Nützliches entsteht, ob die Arbeit menschenwürdig, gesundheitsschädlich oder entwürdigend ist – das ist Beiwerk. Dieser Zwang zum Profit soll nun wie ein böser Fetisch jene Sache sein, die Unternehmen, Gewerkschaften, Kund*innen und Arbeiter*innen zu ihren Handlungen zwingt. „Natürlich“ entsteht dann Armut, denn Arbeit muss sich für das Unternehmen lohnen, das sie bezahlt. Also bezahlt es so wenig wie möglich. „Natürlich“ halten die Produkte nicht lange – denn dann müssen sie neu gekauft werden. Wenn das Geschäft also zu etwas führt, dann nicht zu Reichtum, Freiheit und Versorgung. In der Hauptsache werden Armut, Mühsal und Zerstörung produziert.

So kann man ohne zu lügen Falsches denken: dass Sachen Menschen zwingen könnten. Aber die „Sachen“ sind selbst von Menschen gemacht, waren nicht immer da und müssen nicht immer so bleiben. Sicher, die Produktionsketten der Textilindustrie sind selbst für ihre Manager*innen undurchschaubar. Unüberlegtes Konsumverhalten ist tief im Lebensgefühl verwurzelt. Weltweite Armut wird nicht von heute auf morgen abgeschafft. Der große Fehler wäre jedoch, zu glauben, dass nichts Besseres möglich wäre. Die Textilarbeiter*innen in Bangladesch konnten mit ihren Protesten und internationaler Öffentlichkeit im Rücken eine kleine Verbesserung ihrer Lage erkämpfen. Selbst kleine Erfolge wären nicht möglich gewesen, wenn sie sich stumm ergeben hätten. Ansätze von solidarischer, kollektiv geplanter Produktion, wie bei den Zapatist*innen in Mexiko, versuchen den Kreislauf von Ausbeutung und Fremdbestimmtheit zu durchbrechen.

Im Anspruch auf Verbesserung der eigenen Lage in einer schlechten Gesellschaft kann das Ideal einer besseren, möglichen Gesellschaft stecken.
Anstatt von Profitzwang, Konkurrenz, Ausbeutung, Zerstörung und Unterdrückung setzen Anarchist*innen dabei auf gegenseitige Hilfe, freiwillige Tätigkeit und gemeinsame vernünftige Planung. Eine solche mögliche, aber noch nicht vorhandene Gesellschaft müsste mit Staat, Kapitalismus und deren Logik gebrochen haben. Das bedeutet auch, dass der Glaube an Sachzwänge erschüttert werden muss. Anstatt einem Fetisch zu folgen, könnte die solidarische Wirtschaft sich dann an menschlichen Bedürfnissen ausrichten. Auch das gehört zur Utopie: etwas Schönes zum Anziehen, ohne verdrängen zu müssen.

Krefeld: Demo und Kundgebung zu Textildiscountern

Ankündigungstext des Linksbündnisses:
Am 15.10. eröffnet die Billig-Textilkette Primark ihre Krefelder Filiale im ehemaligen Hortenhaus. Primark steht insbesondere für die Ausbeutung von Arbeitnehmer/innen in Entwicklungsländern und für prekäre Arbeitsverhältnisse hierzulande, um modische Textilien billigst anbieten zu können.

Zusammen mit vielen anderen Organisationen werden wir am Eröffnungstag 15.10. ab 10 Uhr auf der Rheinstrasse gegenüber Primark gegen diese Art der Ausbeutung demonstrieren.

Anschließend wird ein Demozug über Rheinstr./Hochstr./Hansastr. bis zum HBF noch bei anderen Billig-Textilläden wie Zeemann, C&A, H&M, KiK und NewYorker haltmachen.

Dortmund: Café Unvergessen

Sonntag, 12. Oktober 2014
15:00 – 18:00 Uhr
Nord­pol, Müns­ter­str. 99, 44145 Dort­mund

In einer Welt, die geprägt ist von Konformitätsdruck und Zwang, stellt die Institution Gefängnis eine besonders abschreckende Drohung dar. Rebellisches Verhalten mit der Androhung von Einsamkeit und dem gewaltsamen Herausreißen aus dem sozialen Umfeld zu ersticken, ist eine sehr alte und besonders erfolgreiche Methode der Herrschenden.